Kreisbrandmeister Gerdes: „Gerade in Ochtersum gibt es eine sehr gute Jugendabteilung.“

HOLTRIEM. „Das ist ja wohl der Witz des Jahrhunderts“, sagt Wittmunds Kreisbrandmeister Frank Gerdes. Damit meint er die geplante Zusammenlegung der Feuerwehren Schweindorf und Ochtersum in der Samtgemeinde Holtriem. „Ich verstehe die Samtgemeinde Holtriem und den Bürgermeister Jochen Ahrends nicht“, sagt er. Die Argumentation von Ahrends, die Personaldecke sei viel zu dünn, könne er nicht nachvollziehen. „Gerade in Ochtersum gibt es eine sehr gute Jugendabteilung“, sagt Gerdes.

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Beide Wehren seien im Ernstfall voll einsatzfähig und schnell vor Ort. Es sei jedoch fraglich, ob sie im Falle einer Fusion noch genauso schnell da sein würden, so Gerdes. Dann würden sie ein Feuerwehrhaus in Utarp bekommen und die Anfahrtswege würden sich ändern. „Die Hilfe-Leistfristen müssen dann neu analysiert werden“, erklärt Gerdes.

Doch viel schlimmer empfindet er, wie die Feuerwehrleute behandelt worden seien. „Sie wurden von der Samtgemeinde Holtriem mit der Abstimmung überrumpelt“, sagt Gerdes. Wie berichtet, bekamen die Aktiven der Wehr einen Fragebogen zugeschickt mit drei Antwortmöglichkeiten. Eine davon bot sich für die Wehren Blomberg und Westerholt an, da ihnen ein neues Gebäude versprochen wurde. Ebenso eindeutig war, dass sich die Wehren Schweindorf und Ochtersum dagegen aussprechen würden. Am Ende hieß es somit 2:2 nach Standorten, allerdings 63:59 nach Mitgliedern. Das Ergebnis: Neubauten in Blomberg und Westerholt sowie die Fusion Schweindorf/Ochtersum mit einem Neubau in Utarp.

„Es scheint, dass die Abstimmung mit Gewalt durchgeboxt werden sollte und schon länger in den Schubläden der Samtgemeinde lag“, sagt Gerdes. Dabei sind die Feuerwehren dafür da, um zu helfen und die Sachschäden bei einem Brand so gering wie möglich zu halten. „Nun wird alles kaputt gemacht.“

Um die vier Standorte zu retten, trafen sich bereits die Mitglieder der Holtriemer Feuerwehren gemeinsam mit Frank Gerdes und Regierungsbrandmeister Ernst Hemmen. „Ich bin gegen jede Zwangszusammenlegung der Feuerwehren. Die Verwaltung und die Politik sollten sich in die Feuerwehrmitglieder hinein versetzen, die sich ehrenamtlich engagieren und nun so behandelt werden“, erklärt Hemmen. Er hofft, dass sich in einem Dialog mit der Samtgemeinde noch eine andere Lösung finden lässt, um die vier Ortswehren zu erhalten.

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Samtgemeindebrandmeister Holger Multhaupt (Blomberg) wollte sich zu der Thematik nicht äußern. Als Grund gab er an, dass er krankgeschrieben ist. Sein Stellvertreter Ingo Kruse erzählte hingegen, dass die Feuerwehren um ihre vier Wehren kämpfen.

Auf die Unterstützung der Gemeinde Ochtersum können sie allerdings nicht setzen. Bürgermeister Franz Pfaff erklärt: „Ich sitze zwischen zwei Stühlen. Als Bürgermeister der Gemeinde Ochtersum möchte ich ungern unsere Feuerwehr verlieren, doch als Ratsherr der Samtgemeinde Holtriem muss ich auch den Kostenfaktor im Blick behalten. Vier neue Feuerwehrgerätehäuser zu bauen, das wird zu kostspielig.“ Pro neuem Feuerwehrhaus würden Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro anfallen. Des Weiteren argumentiert er, dass am Tag nicht genügend Feuerleute vor Ort seien, um einen Einsatz zu fahren. Ochtersum hat 29 aktive Blauröcke, die überwiegend außerhalb Ochtersums berufstätig sind, so Pfaff. „Wenn ich ein Feuerwehrmann wäre, würde ich auch kämpfen. Aber die nackten Zahlen sprechen für sich und ich muss überlegen, wo es sinnvoll ist, zu investieren“, erklärt Pfaff. Dass durch den Verlust der Feuerwehr ein wichtiger sozialer Bereich verloren geht und das Leben im Ort darunter leiden könnte, sei ihm bewusst.

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Der Bau von drei neuen Feuerwehrgerätehäusern in Blomberg, Westerholt und im Raum Utarp, unter Zusammenlegung der Ortsfeuerwehren von Schweindorf und Ochtersum, soll in den jeweiligen Fachausschüssen beraten und nach deren Zustimmung in der Samtgemeinderatssitzung am 28. September beschlossen werden.

 

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